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Der Naturtag der Schule St. Nicolai


KAMPEN Vor drei Jahren wurde die Idee von einem regelmäßigen „Naturtag“ für Schülerinnen und Schüler an der Schule St. Nicolai und dem Standort am Nord- kamp entwickelt. Ziel sollte es sein, den Sylter Kindern nicht nur die Natur ihrer Insel und deren Phänomene näher zu bringen, sondern auch andere Kompe- tenzen zu fördern: Die Kinder sollten lernen, mit anderen zusammen zu arbei- ten und gemeinsam zu planen, Regeln zu akzeptieren und einzuhalten sowie vor allem mit ihrer Umwelt verantwortlich umzugehen.

Um mit dem „Naturtag“ starten zu können, mussten zunächst die Eltern überzeugt werden. Die Sorgen, ihre Kin- der würden Unterrichtsstoff verpassen, bis hin zu der Befürchtung, sie könnten durch den Aufenthalt im Freien bei Wind und Wetter schneller und häufiger krank werden, standen im Raum. „Wir haben Kinder erlebt, die noch nie mit den Füßen im Wasser waren“, berichtet Lehrer Dirk Hohhäusel, nachdem das Projekt jetzt erfolgreich läuft, „und das, obwohl sie auf einer Insel wohnen.“

Susanne Rohde, die von Seiten der Na- turschutzgemeinschaft Sylt die regel- mäßigen Montagsausflüge begleitet, sieht leider eine grundsätzliche Ten- denz bei Eltern, ihre Erziehungsverant- wortlichkeiten wegzuschieben. Das Fahrradfahren- oder Schwimmen-Ler- nen gehöre beispielsweise für sie dazu – Aufgaben, die heute die Eltern nicht mehr selbstverständlich übernähmen. Und eben die Ausflüge mit den Kindern in die Natur.

Am vergangenen Montag stand der Besuch der Vogelkoje in Kampen auf dem Programm des „Naturtages“. Da

das Bildungszentrum des Landes Schleswig-Holstein den Mai zum „Aktionsmonat Naturerlebnis“ erklärt hat, an

dem auch die Vogelkoje teilnimmt, passte die Wahl ganz besonders gut. Profimäßig ausgestattet mit Regenhose, Brotdose und Trinkflasche nahmen die Drittklässler das dortige Museum der Söl’ringForiining in ihren Besitz. Die Anlage im Wald fordert durch ihre Wegführung, die interaktiven Erklärungstafeln und teilweise geheimnisvollen Plätzen von sich aus schon zur Bewegung auf. Stillsitzen unnötig, nur Zuhören, wenn der Geschäftsführer der Söl’ring Foriining, Sven Lappoehn, anfängt zu erklären. Das macht der zweifache Vater sehr kindge- recht und unterhaltsam. Wissenschaft- liche Fakten werden spannend verpackt – so auch die Frage, wie Bäume sich mit Tieren oder auch miteinander „unter- halten“ können. Zuerst Ratlosigkeit und Kopfschüt- teln, niemand hat ein Baum bislang spre- chen hören und die Sprache „Bäumisch“ gibt es auch nicht. Dafür allerdings Duftstoffe, die von den Pflanzen abgesondert werden und so Mitteilungen aussenden. „Da kann der Baum dem Käfer, der seine Blätter fressen will, dann schon mal deutlich machen: ‚Hau hier lieber ab, meine Blätter schmecken nicht!‘“, schmunzelt Sven Lappoehn mit einem großen Augenzwinkern und die Kinder folgen ihm weiter gespannt durch das Gelände. An dem Herzstück der Vogelkoje ist Feingefühl angesagt. Mit dem Süßwasserteich wurden Enten angelockt, um sie in Reusen zu lotsen und zu töten. Die Sylter litten im ausgehenden 18. Jahr- hundert an Fleischmangel, deshalb wa- ren die durchziehenden Wildenten eine höchst willkommene Ergänzung des Speiseplans. Bis 1921 war die Kampener Vogelkoje als eine von insgesamt drei Vogelfanganlagen auf Sylt in Betrieb,jährlich wurden bis zu 25 000 Wildenten gefangen. Auch diese Klippe nimmt Sven Lappo- ehn sehr kindgerecht, jedoch mit dem klaren Verweis, dass die Menschen, die Fleisch essen, sich immer bewusst ma- chen sollten, dass dafür ein Tier getötet worden ist. Das verstehen die Kinder ,ohne sich vor den Vorgängen, die hier stattgefunden haben, zu ängstigen. Am Ende des Rundgangs steht eine Rallye über das gesamte Gelände an. Dieses Mal dürfen sich die Kinder allein in kleinen Gruppen auf den Weg ma- chen, um die Antworten zu entdecken. Rennen scheint die beste Möglichkeit hierfür zu sein, müde sind die Schülerin- nen und Schüler noch lange nicht. Bewegung ist ein bewusster Inhalt des „Naturtages“, der nicht zufällig auf den Montag gelegt wurde. „Nach dem Wochenende ist dieser außerschulische Lernort für viele Kinder ganz besonders wichtig“, erläutert Dirk Hohhäusel. „Das Wochenende liegt hinter ihnen und oftmals haben sie wenig Bewegung gehabt oder nicht so schöne Situationen zuhause erlebt. Das können sie in dieser Atmosphäre kompensieren. Für uns als Lehrer bieten die gemeinsamen Ausflü- ge die Möglichkeit, mehr von den Kin- dern zu erfahren und sie so besser ver- stehen und fördern zu können.“ Und wie finden die Schülerinnen und Schüler den „Naturtag“? „Schon die Zweitklässler sind ganz aufgeregt des- wegen, weil sie im nächsten Jahr endlich selbst dran sind“, lacht Dirk Hohhäusel. Dann geht es ihnen vielleicht wie ihrem Mitschüler Soner, für den der „Natur- tag“ an jedem Montag ein neues Abenteuer bedeutet. Text und Foto: Wiebke Stitz Quelle: SHZ


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